Geschichte in Werben

Zur Geschichte der katholisch-apostolischen Gemeinde in Werben

Die Anfänge der katholisch-apostolischen Gemeinde in Werben gehen auf das Jahr 1867 zurück. Die Gemeindechronik berichtet:

Die Ausbreitung des Wortes Gottes, die Botschaft von der baldigen Wiederkunft des Herrn und der Wiederbelebung oder Erneuerung der Gaben des Heiligen Geistes begann in der Gegend von Cottbus und auf dem Lande in den Dörfern Papitz und Werben im Jahre 1867. Schon im Jahr 1866 hatte der Kossäth Matthes Kollosche in Papitz von einem Soldaten namens Hermann Zeugnis empfangen, daß Gott Seiner Kirche helfen und Seine Boten dazu senden will.

Es wird von einer Sehnsucht der Menschen nach Gottes Wort berichtet. Durch die Tätigkeit eines Diakons und eines Evangelisten kamen mehr Menschen mit der Botschaft des katholisch-apostolischen Werkes in Berührung und etwa 30 Personen aus Werben und Umgebung hielten sich zu der 1867 gegründeten Cottbuser Gemeinde. In den darauf folgenden Jahren kamen immer mehr Menschen aus den Dörfern zur Gemeinde und mehrere Werbener wurden in das Diakonen- und Priesteramt berufen. 1871 begannen die Werbener Gemeindemitglieder mit dem Bau einer Kapelle in Werben. In der Chronik wird berichtet:

Die Glieder auf dem Lande hatten mit großem Fleiß und Mühe einen Kirchbau in Werben ausgeführt. Der Landwirt Matthes Halpisch hatte einen Platz für 100 RM gekauft, der Platz blieb zwar sein Eigentum, aber er wollte von der Gemeinde keine Zinsen dafür nehmen. Er begann den Bau, starb aber als er kaum halb fertig war und die Witwe und der Bruder Martin führten es nun weiter. Das Geld dazu hatten unsere Gemeindeglieder geliehen, das Gebäude aber war samt dem Boden Eigentum des Matthes Halpisch und dessen Erben. In Folge seines Ablebens und da das halbjährige Kind alleiniger Erbe und die Mutter Verwalterin des Gutes wurde, war die Möglichkeit abgeschnitten, den Platz und das Gebäude von dem Gute zu trennen und in irgendeiner Form die Gemeinde zur Besitzerin des so durch geliehenes Geld fertiggestellten Kirchengebäudes zu machen. Als es nun fertiggestellt war, daß es zu den Gottesdiensten gebraucht werden sollte, konnte es nur wie ein gemietetes Local gesegnet werden. Dies geschah am 26. Mai 1872 am Sonntag an Pfingsten. Zu diesem Zweck war der Bischof in Werben an diesem Tage. Es wurde der Vormittagsdienst und dann die Heilige Eucharistie gefeiert. Hierbei war die Ortsbehörde anwesend, wenn vielleicht auch nur zu dem Zweck, Kenntnis zu nehmen von dem was in ihrem Dorfe vorgeht. Des Nachmittags war Belehrung und kürzerer Abenddienst. Hierbei war das Local von den Ortseinwohnern überfüllt und auch an den Fenstern standen noch viele Zuhörer, welche alle die größte Ruhe bewahrten und sich sehr andächtig zeigten. Es war ein Tag großer Freude für die Gemeindeglieder und Gott hatte ihren Eifer mit Segen gekrönt. ….

Nachdem die Werbener Gemeinde über zehn Jahre Filiale der Cottbuser Gemeinde gewesen und von dort versorgt worden war, erhielt Werben 1883 den Status einer eigenständigen Gemeinde mit einem Priester als Vorsteher. In den Jahren danach waren gleichzeitig mehrere Priester, Diakone, Diakonissen und Gemeindevorsteher in der Werbener Gemeinde tätig, ab 1891 hatte die Gemeinde einen Bischof. Im Jahr 1893 wurde der Entschluss gefasst, ein neues Kirchengebäude zu errichten. Die Chronik berichtet:

Indem das gegenwärtige etwas leicht erbaute Kirchengebäude hinfällig geworden ist, ist in einer Ratsversammlung am 22. Mai 1893 von sämtlichen Dienern unter Zustimmung der ganzen Gemeinde beschlossen worden, das alte Gebäude nicht zu reparieren, sondern ein Neues zu erbauen. Die ganze Gemeinde hat mit großer Freudigkeit dahin gewirkt und in aufopfernder Liebe ein Drittel der Baukosten durch Opfer und Geschenke zusammen gebracht, daß schon am 6. Dezember 1893 der Grund zu einer neuen Kirche gelegt wurde und zwar auf dem Grundstück der Eheleute des Priesters Martin Troppa, welches sie als Geschenk zur Ehre Gottes und Segen der Gemeinde ferner der ganzen Umgebung gewidmet haben. Fast die ganze Gemeinde arbeitete fleißig und treu unter Aufsicht des Bischofs Matthes Troppa sowie der dazu bestimmten Diener am Bau der Kirche, so daß genau in einem Jahre die neue Kirche zur Befriedigung der ganzen Gemeinde fertig dastand, und am Sonntag, den 2. September 1894, durch den Bischof Matthes Troppa feierlich eröffnet wurde. Der Vollständige Morgendienst um 6 Uhr wurde gefeiert unter Genehmigung der Apostel, daß von jetzt ab alle 4 Wochen sowie alle Festtage die vollständigen Gottesdienste gefeiert werden können, welches der Gemeinde zum großen Segen und Trost gereichte.

Bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts berichtet die Chronik von einem eigenständigen Gemeindeleben mit regelmäßigen Gottesdiensten. Später konnten wegen des Aussterbens der Amtsträger keine neuen Mitglieder mehr aufgenommen werden und es wurden bis zum 18. Dezember 1994 nur noch einmal monatlich liturgische Fürbittgebete gehalten.

In den Jahren zwischen 1946 und 1959, während des Wiederaufbaus der am Ende des Krieges zerstörten Dorfkirche, wurden die sonntäglichen Gottesdienste der evangelische Gemeinde in der Kapelle der katholisch-apostolischen Gemeinde gefeiert. Später fanden hier auch regelmäßig der evangelische Kindergottesdienst und Gottesdienste der katholischen Gemeinde statt.

Die immer weniger werdenden Mitglieder der katholisch-apostolischen Gemeinde in Werben nahmen an den wöchentlichen Gottesdiensten der Cottbuser Gemeinde teil und schlossen sich dem dortigen Gemeindeleben an. Nachdem sich der Bauzustand der Kapelle zunehmend verschlechtert hatte, wurde sie 1995 im Zuge der intensiven Suche nach einer neuen und angemessenen Nutzung des Gebäudes von der Gemeinde verkauft und von den neuen Besitzern, der Familie Lewerentz, restauriert und zu einem Wohnhaus umgebaut. Dabei wurde ein Teil des Gebäudes -der Altarraum und die Sakristeien- abgebrochen, ansonsten aber die äußere Gestalt der Kapelle nahezu unverändert erhalten.

Auch als Familienwohnhaus ist die Kapelle nach wie vor ein Ort, an dem sich Menschen zum Gebet und zum Lob Gottes treffen.