Katholisch-apostolische Gemeinden

Über die katholisch-apostolischen Gemeinden

Die katholisch-apostolische Bewegung entstand Ende der 20er Jahre des 19. Jahrhunderts in England. Ausgangspunkt waren die sogenannten Albury-Konferenzen, in denen sich Theologen und Laien unterschiedlicher Konfessionen unter Gebet und Bibelstudium trafen, um die zu dieser Zeit verbreiteten prophetischen Verheißungen und endzeitlichen Erwartungen zu klären. Eine wichtige Rolle spielte die Auseinandersetzung mit dem damals neu aufgebrochenen Wirken des Heiligen Geistes in Schottland, die Frage nach der Funktion der Gaben des Geistes für die Kirche und die Erwartung der baldigen Wiederkunft Jesu.
Ein wichtiger Repräsentant der neuen Bewegung war in den ersten Jahren Edward Irving, Prediger in einer großen Gemeinde der schottischen Nationalkirche in London. Diese Gemeinde wurde nach den Anfängen in Albury zu einem Zentrum des charismatischen Aufbruchs. Obwohl Irving 1834 nur wenige Jahre nach diesen Anfängen starb, wurden die Anhänger der Bewegung oftmals fälschlicherweise als „Irvingianer“ bezeichnet.

Nachdem vielfach Menschen, die durch das neuerliche Wirken des Heiligen Geistes ergriffen waren, aus ihren ursprünglichen Kirchen ausgeschlossen wurden, entstanden ab 1832 eigenständige Gemeinden mit einer eigenen Ämterstruktur. Durch prophetisches Reden wurden Diakone, Priester, Bischöfe und Apostel berufen, um dem Aufbau der Gemeinden und letztlich der ganzen Kirche zu dienen. Die Berufung von Aposteln stellte eine Besonderheit dar, in der ein Wirken Gottes zur umfassenden Erneuerung der ganzen Kirche gesehen wurde. Damit verknüpft wurde die Erwartung, dass Jesus durch das Werk des Heiligen Geistes und der Apostel die zerstreute und zerstrittene Kirche kurz vor seiner Wiederkunft zur Umkehr und einer neuen Einheit führen würde. Deshalb nannten sich die Gemeinden katholisch (allumfassend) – apostolisch (durch Apostel geleitet).

Die Apostel studierten gründlich die Geschichte der Kirche und das Glaubensleben der unterschiedlichen Konfessionen. Zum einen traten die Apostel mit einer Analyse der kirchlichen Situation und damit verbunden einem Bußruf an die Kirchenleitungen der verschiedenen Konfessionen und an weltliche Häupter ihrer Zeit heran, zum anderen erarbeiteten sie eine umfassende Gottesdienstordnung, in die Elemente aus allen Konfessionen aufgenommen wurden und die 1842 in den Gemeinden eingeführt wurde. In den Jahren zwischen 1840 und 1900 wurden insbesondere in England und in Deutschland, aber auch in Holland und Russland katholisch-apostolische Gemeinden gegründet. Die Mitglieder blieben normalerweise -wenn sie nicht ausgeschlossen wurden- auch Mitglieder in ihren Ursprungsgemeinden der jeweiligen Konfession.

Es wurde zunächst erwartet, dass Jesus noch vor dem Tod der neuen Apostel wiederkommen würde. Der Tod der Apostel (in der Zeit zwischen 1855 und 1901) brachte eine Erschütterung und eine Verschiebung der endzeitlichen Erwartung, wurde aber als Wille Gottes angenommen und weitere Apostelberufungen abgelehnt. Aus dieser Krise ging als Abspaltung die Neuapostolische Kirche und weitere Apostolische Gemeinschaften hervor, in der weiter Apostel berufen wurden aber das ursprünglichen Anliegen und die geistliche Dimension der Gemeinden verflachte. Nach dem Tod des letzten Apostels der katholisch-apostolischen Gemeinden konnten keine Amtsträger wie Priester und Bischöfe mehr durch apostolischen Segen eingesetzt werden, so dass allmählich die gesamte Amtshierarchie ausstarb und damit alle sakramentalen Handlungen aufhören mussten. Die Gemeinden wurden nach 1971, dem Tod des letzten Priesters, aufgelöst oder bestehen als kleine Restgemeinden weiter.

Von der Bewegung des katholisch-apostolischen Werkes sind ganz wesentliche Impulse in die ökumenische und charismatische Erneuerung der Kirche in unserem Jahrhundert ausgegangen. Die Gemeinden stehen uns heute noch als Zeichen für die nie aufgegebene Hoffnung auf die Wiederkunft Christi und Einheit und Erneuerung der Kirche und der Welt vor Augen.